die Entwicklung der Literatur

 

 

               Das Gastmahl der sieben Weisen

 

 

Nicht die vielen Worte verraten kluges Urteil.
Such Ein Weises,
wähl Ein Gutes.
Sonst wirst du nur wüstredende Zungen der Schwätzer lockern.

 

 Thales von Milet

 

 

Hüte dich, sieh jeden an,
ob er nicht heimliche Lanze trägt im Herzen,
wenn er mit hellem Gesicht zu dir spricht,
ob nicht zwieredig die Zunge aus schwarzem Herzen tönt.

 

Solon

 

 

An Prüfsteinen probt sich das Gold
und gibt sich klar zu kennen; an der Zeit aber
gibt die Gesinnung der Menschen, der guten wie der bösen, ihre Probe

 

Chilon von Sparta

 

 

Mit Bogen und Köcher soll man
einem Bösen begegnen.
Denn nichts Zuverlässiges schwatzt durch seinen Mund
die Zunge, die im Herzen zwieredige Gedanken hegt.

 

Pittakos

 

 

Den Bürgern sei allen gefällig, willst du in der Stadt bleiben.
Das bringt den meisten Dank. Eigensinniges Wesen
zündet oft schädliches Unheil an.

 

Bias von Priene

 

 

Ungeist ist das meiste unter den Menschen
und der Worte ein Haut"; doch rechtes Maß wird helfen.
Ersinne Gutes. Die Freundlichkeit soll nicht wahllos sein.

 

Kleobulos von Lindos

 

 

Myson von Chen, von Platon statt des Periandros in die Liste der sieben Weisen aufgenommen, taucht zunächst nur in einer archaischen Fabel auf. Das Orakel von Delphi soll auf seine Weisheit hingewiesen haben.

Die wenigen Überlieferungen zu Myson lauten: „Chilon reiste in das Dorf Chen um Myson aufzusuchen. Er traf ihn an, wie er im Sommer den Pflug richtete, und sagte zu ihm: «Oh Myson, jetzt ist nicht die Jahreszeit, um zu pflügen!». «In der Tat», entgegnete Myson, «aber es ist die beste Zeit, den Pflug herzurichten»“. (Frei übersetzt: „Plane voraus!“)

 

Myson von Chenai

 

 

 

 

Im frühen 5. Jahrhundert gewinnt die griechische Geschichte an Klarheit und detaillierter Darstellung aufgrund literarischer Quellen und konzentriert sich zugleich immer mehr auf Athen. Das ist nicht deswegen so, weil alle Geschichtsschreiber Athener waren. Herodot (490-424 v. Chr.) stammte aus Halikamass in Kleinasien, und sein Vater hatte einen karischen Geburtsnamen. Er selbst lebte im Exil und schließlich als Kolonist im Westen, für ein paar Jahre aber vorzugsweise im Athen des Perikles. Eine glaubhafte Geschichte, die vielleicht nicht ganz zutreffend sein mag, berichtet, dass Sokrates sein Freund war.

 

Was im 5. Jahrhundert in Athen zur Blüte kam, hatte bereits anderswo und schon früher begonnen. Es ist aber richtig, die Athener nach ihrer eigenen Einschätzung zu beurteilen, wenn auch nur deshalb, weil die Welt, je weiter wir uns vom Athen des 5. Jahrhunderts entfernen, desto stärker hinterherzuhinken scheint. Im weit entfernten Holstein begannen sowohl die Eisenzeit wie auch die geometrische Keramik erst im 7. Jahrhundert. In der nordwestlichen Peloponnes wurden, als Christus schon geboren war, immer noch Steine verehrt.

 

Die großen Weisen des 5. Jahrhunderts kamen nach Athen, während vergleichbare Gestalten in früheren Generationen bereits in Milet, Ephesos, Kolophon in Kleinasien, auf Samos, Syros und auf den Kykladen auftauchten. Dasselbe gilt auch für die epische Dichtung. Das Zentrum des intellektuellen Lebens verlagerte sich, als lonien in der Mitte des 6. Jahrhunderts unter die Herrschaft der Perser geriet.

Sogar danach noch lebten in Abdera, einer ionischen Kolonie, die beiden Philosophen Protagoras und Demokrit, und auch in den westlichen Kolonien entstanden noch im 5. Jahrhundert intellektuelle Bewegungen. Das Zentrum war jedoch Athen.

 

 

 

 

     
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