die Küche der Gesellschaft im Athen des 5.-jahrhunderts

 

 

Wir leben nicht, um zu essen, wir essen, um zu leben.

 

Sokrates, Σωκράτης (469-399 v. Chr.)

 

 

Dieser Gedanke ist mit Sicherheit das aller wichtigste im leben, doch wie konnte Sokrates sicher sein das die Lebensmittel die er aß keine Vergiftung oder sogar eine Krankheit verursachten.

 

Athen hatte zu Sokrates Zeit die Astinomia (ΑΣΤΥΝΟΜΙΑ) „asti“ der Kern der Stadt – Staat mit den Ortschaften, die Agora und die Bürger-Einrichtungen, „nomia“ Gesetzgebung.

 

Diese Astinomia (Polizei), hatte folgende Gewalt: Sie protokollierten die Export- und Import- güter, sorgten für die Einhaltung der Einfuhr- und Ausfuhrgesetze in den Häfen und auf den Landwegen.

 

Für die Überwachung an den Häfen und den Fischmärkten über die Qualität der angebotenen Tages-Fische und die Einhaltung der festgesetzten Höchstpreise der einzelnen Waren, insbesonders das Schweinefleisch.

 

Bei rechtlichen Streitigkeiten zwischen den Bürgern waren sie die Schlichter. Für die Landwirtschaftlichen Betriebe die zwangsläufig außerhalb der Stadt lagen wurden neben der Bürger-Astinomia sogar Sklaven als Astinomia eingesetzt die die Felder vor Plünderung schützen sollten. Selbst für den Schutz vor Gewaltakten durch die Kunden der Prostituierten und deren Zechprellerei war die Astinomia präsent für die herrschende Ordnung.

 

Außerhalb der Stadtmauer oder Dorfhecke hehrste eine sehr unruhige Zeit, die zweifellos dazu führen konnte ausgeraubt oder sogar getötet zu werden und schließlich hatte die Leiche da vor Ort wohl einen Preis. Den Kannibalismus, also den Verzehr von Menschenfleisch. Laut Galen zufolge gar nicht so selten war, wie man denken möchte.

 

Es ist offenbar, dass sich das Fleisch von Schweinen und von menschlichen Wesen ähnelt, da Leute Menschenfleisch statt Schwei-nefleisch gegessen haben, ohne durch den Geschmack oder den Geruch Verdacht zu schöpfen; diese Möglichkeit haben vor langer Zeit skrupellose Wirte und andere entdeckt.

 

Galen, "Über die Eigenschaften der Nahrungsmittel 3,1,6"

 

Die Astinomia hatte die Aufgabe diesen kleinen Unterschied zwischen dem Menschen- und Schweinefleisch herauszufinden.

 

 

 

 

Von Datteln und Palmen

 

XenophonΞενοφν, schreibt im 2. "Buch des Perserzuges":

Dort bei Kunaxa gab es reichlich Weizen, Wein aus Datteln und ebenso aus ihnen gekochten Essig. Die Früchte der Palme, so wie man sie bei den Griechen sieht, sammelte man für die Sklaven. Die, die für die Herren reserviert wurden, waren auserlesen, von wunderbarer Schönheit und Größe, in der Farbe nicht unterschieden von Bernstein. Einige wurden getrocknet und zum Nachtisch serviert. Zum Wein schmeckten sie gut, machten aber Kopfschmerzen.

 

Herodotρόδοτος, schreibt im 1. Buch über Babyion: Dort wach­sen in der ganzen Ebene Palmen, meist fruchttra­gende, aus denen man Nahrung, Wein und Honig ge­winnt. Man kultiviert sie wie Feigen. Die Fruchte der sogenannten männlichen Palmen werden an die dat­teltragenden weiblichen Palmen angebunden, damit die Gallwespe in die Frucht schlüpft und sie zum Reifen bringt und die Palmfrucht nicht abfällt. Denn die männlichen Palmen tragen in ihren Fruchten In­sekten ebenso wie die Feige.

 

Dem Bericht Herodots ähnliches erzählt Polybios, Πολύβιος von Megalopolis, aus eigenem Augenschein im 12. Buch der "Geschichte" über den sogenannten Lotosbaum in Libyen: Der Lotos ist ein nicht großer, rauer und dorniger Baum. Seine Blätter sind gelb. ähnlich dem Kreuzdorn. doch etwas dicker und breiter. Die Frucht ist anfangs nach Farbe und Größe ähnlich rei­fen weißen Myrtenbeeren; wenn sie reift. wird die Farbe rot, die Größe wie die der runden Oliven. Sie hat einen ganz kleinen Stein. Wenn sie reif ist, erntet man sie. Was für die Sklaven bestimmt ist. zerkleinert man zusammen mit Graupen und packt es in Gefäße. Die für die Freien vorgesehenen Fruchte entsteint man und bewahrt sie ebenso auf. Und so nähren sie sich davon. Als Speise sind sie ähnlich der Feige oder Dattel, doch ist das Aroma besser. Man gewinnt auch Wein daraus. indem man sie mit Wasser einweicht und zerreibt. Er ist' süß und angenehm, ähnlich wie guter Honigwein, und man genießt ihn ohne Wasser. Doch hält er sich nicht länger als zehn Tage, weswe­gen man ihn in geringen Mengen zum alsbaldigen Verbrauch herstellt. Auch Essig macht man daraus.

 

Athenaios XIV 651b-f

 

 

Der unverkäufliche Professor

 

Feigen waren in aller Welt so gesucht - Aristophanes sagt ja: Nichts gibt es, was so süß wie Feigen wäre -, dass sogar der Inderkönig Amitrochates König Antiochos schriftlich bat, sagt Hegesandros, ihm Traubensirup, Trockenfeigen und einen Professor einzukaufen und ihm zu schicken. Antiochos habe zurückgeschrieben: Trockenfeigen und Traubensirup werden wir dir senden, einen Professor zu verkaufen ist bei den Griechen gegen das Gesetz.

 

Athenaios XIV 652f-653a

 

 

Portable Kocheinheit, Braten und kochen 4/5 Jahr. v. Chr. hier

 

 

Braten oder Kochen?

 

       Die Athener -erklärt Philochoros -braten das Fleisch nicht. wenn sie den Jahreszeiten opfern. sondern kochen es, und dabei flehen sie die Göttinnen an, übermäßige Hitze und Dürre abzuwenden und mit mäßiger Wärme und rechtzeitigen Regenfällen die Pflanzen reifen zu lassen. Das Braten bringe weniger Vorteil, das Kochen aber behebe nicht nur das Rohe, sondern sei auch geeignet. Hartes zu erweichen und das Ganze zu garen. Zudem gare es die Nahrung auf sanftere und ungefährlichere Weise. Deswegen heißt es auch, Gekochtes solle man nicht noch einmal braten oder kochen. Denn das bedeute den Zerfall der besten Teile, wie Aristoteles versichert. Gebratenes Fleisch ist roher und zäher als gekochtes.

 

Athenaios 656a-b

 

 

 

Was Köche brauchen

 

In der Komödie >Nachtfest, oder: Die Tagelöhner< lässt Alexis einen Koch sprechen:

Im Kreise muss ich rennen, schreien, wenn

mir etwas fehlt. Du kommst gerade erst

und willst schon speisen? -Bloß, ich hab noch

nichts:

nicht Essig, nicht Anis, nicht Majoran, nicht Feigenblätter, Öl nicht, Mandeln nicht,

nicht Knoblauch, Most nicht und Schalotten

nicht,

nicht Zwiebeln, Feuer, Kümmel oder Salz
noch Eier oder Holz, nicht Trog, nicht Tiegel,
nicht Strick, nicht Brunnen seh ich noch Zisterne,
kein Weinfass. - Nutzlos stehe ich herum,
das Messer in der Hand, schon aufgeschürzt.

Athenaios IV 170b-c

 

 

 

 

Armut und Reichtum

 

Sokrates sagte, er unterscheide sich von anderen Menschen darin, dass sie lebten, um zu essen, während er esse, um zu leben.
Diogenes erklärte denen, die ihm vorhielten, dass er sich nach dem Bade selbst trockenrieb: »Ich wollte, ich könnte auch meinen Bauch reiben, um Hunger
und Bedürfnisse zu vertreiben.«
Euripides sagt in den >Bittflehenden< von Kapaneus:

Dies ist Kapaneus. Groß war sein Besitz.
Nicht prunkte er mit Geld, nicht dünkte er
sich besser als ein Armer, tadelte,
wenn einer groß mit reichem Tische protzte.
Bescheidung pries er: nicht durch vollen Bauch
sei einer edel, weniges genüge.

Kapaneus gehörte Jedenfalls nicht zu den Menschen, wie sie der wackere Chrysippos in seiner Abhandlung >Von Dingen, die nicht um ihrer selbst willen zu wünschen sind< beschreibt: In derartige Geldgier verfallen manche, dass. wie man hört, einer vor seinem Ende eine Menge Goldmünzen verschluckte und daran starb. Ein anderer ließ sie sich in sein Gewand nähen, zog es an und gebot seinem Diener, ihn so zu beerdigen, ihn also weder einzuäschern noch ihn für die Beisetzung herzurichten.

Solche Leute rufen im Sterben etwa aus:

O Gold, du liebste Gabe aller Menschen,
so große Freude gibt die Mutter nicht
im Haus, die Kinder nicht, der liebe Vater,
wie du und wer in seiner Hand dich hält. Wenn Kypris solcher Glanz im Auge strahlt,
wen wundert's, daß sie tausend Lieben hat?

Von solcher Art war die Geldgier bei den Leuten damals. Darüber bemerkte Anacharsis auf die Frage, wozu die Griechen Geld brauchten: »Um es zu zählen.« Diogenes bestimmte in seinem Idealstaat als Zahlungsmittel Knöchelchen. Denn schön sagt auch hierüber Euripides:

Sag nicht: Der Reichtum. - Nichts ist mir ein Gott, den auch der Schlechteste sich leicht gewinnt.

Chrysippos sagt in der Einleitung zur Abhandlung >Über GUt und Böse<, ein reicher Jüngling aus Jonien sei nach Athen gereist, angetan mit einem goldum­randeten Purpurgewand, und auf die Frage, wer er sei, habe er nur geantwortet: »Ich bin reich.«