die Küche der Gesellschaft im Athen des 5.-Jahrhunderts

Geflügel, Wild - Nutz - Weichtiere

 

 

Das Fleisch von Wildeseln, die gesund und jung sind,

ähnelt dem (des wilden Hasen).

Manche Leute, so bemerke ich, tragen auch das Fleisch von Hauseseln auf,

die alt geworden sind, auch wenn dieses ganz schlecht schmeckt,

schwer verdaulich und unangenehm zu essen ist,

wie das von Pferden und Kamelen;

auch diese nämlich werden von Menschen gegessen,

die im Geist und Körper esel- und kamelartig sind.

 

Galen hier, über die Eigenschaften der Nahrungsmitteln 3,1,9

 

 

Doch schon allzu lange hat uns Matron, Μάτρων, hier und sein attisches Gastmahl verweilt, und doch kann ich von dieser zufälligen Erwähnung Attikas nicht scheiden, ohne zu bemerken, dass die vorzüglichen Brode, deren Matron gedenkt, der besondere Ruhm der Attiker waren, von denen besseres Brod als irgend wo sonst gebacken wurde. Der Bäcker, welcher sie zu dieser hohen Stufe der Vortrefflichkeit erhob verdankt sogar Plato die Unsterblichkeit seines Namens, er hieß Thearion. Dagegen ist zu verwundern, dass Matron ein Gericht mit Stillschweigen übergebt, welchen als das Lieblingsgericht der Attiker berühmt war, und, da es auch in späteren Zeiten noch als ein Leckerbissen galt, teils ihre Anhänglichkeit an das Alte, teils ihre Einfachheit beweist.

Es hieß Feigenblattgericht, thríon, θρον, und wir kennen die Zuberei- tung desselben aus Pollux. Gekochtes Schweinefett wurde mit Milch und Graupenmehl vermischt, dazu weicher Käse, Eidotter und Gehirn gerührt, die Masse mit einem wohlriechenden Feigenblatt umwickelt und in einer Brühe von Vögeln oder Kalbfleisch gekocht, dann herausgenommen, und nachdem das Blatt abgewickelt war, in ein Gefäß mit kochendem Honig gelegt. Diese Speise war so sehr beliebt, dass sie selbst in einer Schilderung der Seelig-keiten des goldenen Zeitalters nicht fehlt„ welche wir in einem Fragment des Komiker Pherekrates, Φερεκράτης, (gr. Dichter aus Athen 5 Jh. v. Chr.) be- sitzen. ich kann mich um so weniger enthalten, dasselbe mitzuteilen, da es uns auch mit anderen Lieblingsspeisen der Attiker bekannt macht. Es lautet folgendermaßen:

 

Durch alte Strassen flossen murmelnde Ströme hin

Von schwarzer Brühe und süßem Weizengraupenbrei,

Sammt Brod zum Löffel ausgehöhlt, und Kuchen auch,

so dass die einzige Mühe nur das Schlingen war.

Und Magenwurst und kochende Schnitten Knoblauchwurst,

an Ufer lagen sie zischend statt der Muscheln da.

Auch gab's gebraten Salzfisch, wohl zerschnitten schon,

mit Brühen und Würzen übergossen aller Art,

und Aal war da in Mangoldblätter eingehüllt.

Daneben ganze Schinken, zum zerfließen mürb.

Auf Schusseln, weichgekochter Ochsenmaulsalat,

ganz köstlich duftend, treffliche Rindscaldaunen auch,

und auf Kraftmehlkuchen lagen lecker hingestreckt

die schönsten Schweineseiten braungebraten da.

Nicht fehlt´s an Graupenmehl auch, eingerührt in Milch,

in Feigenblatt geschlagen, Entenschnitten drauf.

Gebratene Drosseln flogen wohlgewürzt herum.

Um Aller Mäuler, flehentlich bittend, „esst uns doch." hier